Das aktuelle Wetterthema
Warum nur einen Modelllauf nehmen, wenn man 52 haben kann? In der Vergangenheit wurde schon mehrfach über das Gebiet der mittelfristigen Wettervorhersage geschrieben. So wurde zuletzt am 06.02.2012 über das EZMW in Reading geschrieben (dazu auf der rechten Seite unter Thema des Tages auf [mehr] klicken). Im heutigen Thema des Tages soll es nun um die vom EZMW zur Verfügung gestellten Produkte gehen, genauer gesagt um die Ensemblevorhersage. Alle 12 Stunden gibt es eine neue Modellrechnung vom EZMW. Wobei "eine" nicht das richtige Wort ist. In Wirklichkeit wird ein und dasselbe Modell 52 mal gerechnet. Nun kommt sicherlich die Frage, warum man so einen "Blödsinn" macht?! Dazu muss man verstehen, dass eine Wettervorhersage mit großen Unsicherheiten behaftet ist. Die Atmosphäre ist nämlich ein chaotisches System, bei dem kleinste Änderungen schon eine große Wirkung haben können. Man erwähnt in diesem Zusammenhang auch gerne den Schmetterlingseffekt und die Frage: "Kann der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in Texas auslösen?" Wenn nun kleinste Änderungen schon große Wirkung haben können, gibt es bereits Probleme den aktuellen Zustand der Atmosphäre exakt zu erfassen. So gibt es nur eine gewisse Anzahl von Wetterstationen, aber selbst auf kurzer Entfernung kann es gravierende Unterschiede geben. Während es in einem Ortsteil gewittert, scheint im anderen die Sonne Oder: In kleinen Talmulden wird es deutlich kälter als auf der Bergkuppe. Das sind nur zwei Beispiele von vielen, die zeigen, dass es gar nicht möglich ist den Zustand der Atmosphäre so genau zu erfassen wie es notwendig wäre. Nun könnte man argumentieren, dass es ja auch die Wettersatelliten gibt. Es stimmt, dass diese den Zustand der Atmosphäre flächendeckend erfassen können. Satelliten sind aber sehr weit weg und haben entsprechende Messunsicherheiten. Wolken und andere Partikel in der Atmosphäre verhindern zudem, dass der Satellit immer bis zum Erdboden schauen kann. Da man diesen Mangel nicht ändern kann, versucht man sich zu helfen, indem man das Modell 52 mal rechnet. Dafür variiert man die Anfangsbedingungen (also die verwendeten Wettermeldungen) jedes Mal ein bisschen. Damit trägt man der Messunsicherheit Rechnung. Mit diesen ganz leicht veränderten Bedingungen rechnet man das Wettermodell mehrfach und bekommt somit 52 verschiedene Ergebnisse. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einem Ensemble. Zu Beginn sind die Lösungen meist recht ähnlich. Je weiter man in die Zukunft geht, desto größer werden die Unterschiede, bis die Modellergebnisse irgendwann völlig verschieden sind. Erwähnt sei noch, dass es immer einen Hauptlauf gibt, der in einer höheren räumlichen Auflösung gerechnet wird. Die anderen 51 Member sind etwas schlechter aufgelöst um in einer annehmbaren Zeit überhaupt so viele Rechnungen durchführen zu können. Der Hauptlauf ist als zunächst erstmal die Grundlage für die Vorhersage. Um den Unterschied zwischen der höheren und niedrigeren Auflösung zu sehen, wird einer der 51 Rechnungen mit exakt denselben Anfangsbedingungen wie der Hauptlauf gerechnet (Kontrolllauf). Bei den anderen 50 Membern werden diese Bedingungen dann wie oben angesprochen leicht verändert. Der Kollege, der sich mit der Mittelfrist beschäftigt, nutzt die Ensembles bei der Erstellung seiner Prognosen. Angenommen der Meteorologe hätte nur eine Modelllösung, dann wüsste er gar nicht, wie sicher die Vorhersage ist. Betrachtet er hingegen die Zusammenfassung aller Rechnungen, kann er an der Größe der Unterschiede erkennen, ob ein vorhergesagtes Ereignis eher sicher oder unsicher ist. Auch kann er erkennen, ob die Lösung des Hauptlaufes eventuell eine Außenseiterlösung darstellt, weil sie sich stark von den anderen Lösungen unterscheidet. Eine Möglichkeit alle Modellrechnungen auf einmal zu betrachten ist die Darstellung in For
